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Vereinigung Europäischer Schifffahrtsjournalisten

Genting erwägt Komplettübernahme der Bremerhavener Lloyd Werft

lloyd Werft C.Eckardt

Lloyd Werft soll nur noch Neubauten produzieren

Die aus Malaysia stammende Genting Group, die erst kürzlich (17.09.2015) den Kaufvertrag zur Übernahme von 70 Prozent der Betriebsgesellschaft und 50 Prozent der Besitzgesellschaft der Lloyd-Werft unterschrieben hat, erwägt nach Informationen der Bremerhavener Nordsee-Zeitung eine komplette Übernahme des Bremerhavener Traditionsunternehmens. Diese Berichte wurden vom Lloyd Vorstand inzwischen bestätigt.
Inhaber Dieter Petram hat seinerzeit 18 Millionen Euro von der an der Börse in Hongkong notierten Genting Group erhalten. Nach Informationen der Nordsee-Zeitung sicherte sich Genting die Option zur kompletten Übernahme der übrigen 30 % der Werftanteile vom Schiffbauunternehmer Petram vertraglich zu. Die Absicht einer möglichen Komplettübernahme hatte Genting kürzlich angemeldet, wozu es als börsennotiertes Unternehmen verpflichtet ist. Gegenüber Radio Bremen erklärte Dieter Petram, dass es für eine mögliche Übernahme eine vertraglich festgelegte Option gibt. Ob und wann Genting seine Anteile übernimmt, ist nach den Worten von Petram noch gar nicht klar, auf weitere Fragen ging er gegenüber Radio Bremen nicht ein.
Aufträge für Schiffsneubauten noch nicht unterzeichnet
Genting will bei der Lloyd Werft in Bremerhaven vier Flusskreuzfahrtschiffe und drei exklusive Hochseekreuzfahrtschiffe in den nächsten Jahren bauen lassen. In dem Vertragswerk war Genting verpflichtet, bis zum Jahresende 2015 mindestens einen Neubauauftrag zu unterschreiben. Mittlerweile wurde diese Frist auf den 30.06.2015 verlängert., wobei nicht erkennbar ist, was diese Fristverlängerung für die Werft und ihre noch 400 festen Mitarbeiter bedeutet. Die Lloyd Werft hat mittlerweile mit mehreren Lieferanten und Konstruktionsbüros erste Kontrakte geschlossen und ist auf der Suche nach weiterem Fachpersonal für die Abwicklung der Aufträge, wobei immer noch nicht feststeht, wo die Schiffsrümpfe der Neubauten gefertigt werden. Lloyd-Vorstand Carsten J. Haake sieht die Fristverlängerung hingegen als positiv und erklärte gegenüber der Nordsee-Zeitung, dass es zunächst gilt, erst gemeinsame Konzepte zu entwickeln, Bauplätze zu finden um dann die Schiffe zu konstruieren und kalkulieren. Auch der Betriebsratsvorsitzende der Lloyd Werft Daniel Müller bewertet eine komplette Übernahme durch die Genting Group durchweg positiv, geht er doch davon aus, dass damit eine weitere Sicherung der Arbeitsplätze gewährleistet ist. Auch hält Müller Lohnkürzungen derzeit für nicht möglich, da der Tarifvertrag noch bis 2019 läuft, erklärte er gegenüber Radio Bremen. Auch wenn derzeit noch keine Schiffbauverträge unterschrieben wurden, vertraut Betriebsratschef Müller dem Vorstand der Werft, dass dort alle Hindernisse ausgeräumt würden.
Im Zusammenhang mit der kompletten Übernahme der Lloyd Werft durch Genting könnte sich aber auch wieder eine Trennung mit dem Werftenverbund German Dry Docks entwickeln. Der Bremerhavener Schiffbauunternehmer Dieter Petram, Eigner des Reparaturbetriebes MWB, hatte im Jahr 2010 die damalige Anteil der Fincantieri-Werft an der Lloyd Werft übernommen und damit den Grundstein für einen gemeinsamen Schiffbauverbund gelegt. Nun könnte German Dry Docks wieder herausgelöst werden, so dass sich nach Informationen der Nordsee-Zeitung die Lloyd Werft dann zukünftig nur noch um das Neubaugeschäft kümmern wird, Schiffsreparaturen würden dann von German Dry Docks übernommen. Lim Kok Thay, Vorstandsvorsitzender der Genting Gruppe, der in der vergangen Woche, nach der offiziellen Kiellegung des Kreuzfahrtschiffes „Genting Dream“ auf der Papenburger Meyer Werft, die Lloyd Werft besuchte, erklärte, dass sich die Lloyd Werft, neben den Aufträgen der Genting-Gruppe auch um Neubauaufträge anderer Reedereien bemüht.

Autor: C.Eckardt

 

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