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INDIAN OCEAN läuft auf Grund

Indian Ocean

Containerschiff CSCL INDIAN OCEAN läuft auf Grund
Nächster Bergungsversuch am Dienstag 9.2.2016 geplant

Am Mittwochabend den 3.2.16 lief gegen 22:00 Uhr der 399,67 m lange und 58,6 m breite Containerfrachter CSCL INDIAN OCEAN der Reederei China Shipping Line in der Elbe vor Lühe auf Grund. Das Schiff hatte zu diesem Zeitpunkt einen Tiefgang von 11,6 m und hätte Hamburg also tidenunabhängig erreichen können. Vermutlich führte ein Ausfall der Ruderanlage zur Manövrierunfähigkeit des Containerriesen. Die an Bord befindlichen Elblosten berieten die Schiffsführung daher, das Schiff an den Nordrand der Elbfahrrinne zu steuern, um einen Aufprall auf das eher steinige Südufer der Elbe zu verhindern. Nachdem das Schiff im Elbschlick festsaß hatte das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg zunächst versucht, das Containerschiff mit insgesamt sieben Schleppern von Kotug und Bugsier zurück in das Fahrwasser zu schleppen. Die Versuche blieben erfolglos. Einen Tag später übernahm dann das Havariekommando in Cuxhaven die Gesamteinsatzleitung für diesen Havariefall. Personen wurden bei dem Unfall keine verletzt, der Schiffsverkehr auf der Elbe wurde durch nur leicht beeinträchtigt.

Zusammen mit der chinesischen Reederei wurde dann ein Bergungskonzept erarbeitet, um die CSCL INDIAN OCEAN aus ihrer Situation zu befreien. Spülbagger wurden sofort angefordert, um den Bereich um die CSCL INDIAN OCEAN freispülen, damit das Schiff nicht weiter im weichen Elbschlick einsackt. Um das Gewicht des rund 150.000 Tonnen schwere Schiffes, das nur zu 2/3 beladen sein soll, zu erleichtern, wurden bisher rund 2000 Tonnen Rohöl durch das Bunkerschiff DRESDEN 2 abgepumpt. Auch das Ballastwasser und weitere Betriebsstoffe wurden mittlerweile geordnet abgepumpt.

Für den kommenden Dienstagmorgen (9.2.2016) ist nun ein weiterer Schleppversuch geplant, da dann das Hochwasser nach derzeitigen Vorhersagen und Berechnungen auf der Elbe hoch genug auflaufen soll. Bis dahin sind auch noch Spülbagger vor Ort damit beschäftigt, den anfallenden Schlamm um das Schiff herum wegzuspülen. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem der belgische Schlepper UNION MANTA mit einem Pfahlzug von 2013 Tonnen und der niederländische Schlepper FAIRMOUNT EXPEDITION mit einem Pfahlzug von 205 Tonnen. Sollte dieser Schleppversuch scheitern, muss vom Havariekommando schnellstens ein neues Konzept auf den Tisch, wie man den Containerriesen wieder frei bekommt. Dazu wird es beispielsweise notwendig sein, ein Teil der Ladung zu löschen, um das Schiff leichter zu machen, denn jeden Tag sackt das bis zu 19.000 TEU fassende Schiff weiter in den Schlick ein.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die CSCL INDIAN OCEAN dann auch ohne Schäden freikommt, denn ein geeigneter Dockplatz für diese Schiffsklasse steht in Deutschland nicht zur Verfügung. Das große Dock Elbe 17 bei Blohm + Voss in Hamburg ist nur 351 m lang, zudem ist das Dock nur für Schiffe bis 9,7 m Tiefgang erreichbar. Die nächsten verfügbaren Docks, die Containerschiffe der XXL-Klasse für eine mögliche Reparatur aufnehmen könnten, wären in Rotterdam, Belfast oder Brest.

Für die seit Jahren aktiven Elbvertiefungsgegener ist dieser aktuelle Vorfall natürlich Wasser auf die Mühlen für deren Argumente gegen die geplante Elbvertiefung. So erklärte der Elbvertiefungs-Aktivist Walter Rademacher, dass sich durch die geplante Elbvertiefung das Havarierisiko weiter erhöhen wird. Glücklicherweise hat sich das Schiff nicht in der Fahrrinne quer hingelegt, denn das wäre der wirtschaftliche Super-Gau für den Hamburger Hafen, da die Zufahrt zum Hafen für Tage blockiert wäre.
Auch der BUND, Nabu und WWF warnten: „Die Havariegefahr wächst mit der Größe der Schiffe.“ Daran könne auch eine weitere Flussvertiefung nichts ändern, denn: „Megaschiffe sind anfälliger für Wind und Tideströmung, das ist völlig unabhängig von der Tiefe der Fahrrinne.“ Natürlich ist der Ausfall einer technischen Steuerung überall möglich, aber bei der Größe der heutigen Containerfrachter auf engen Flüssen wie Elbe und Weser besonders brisant, warnen die Umweltverbände. So kann man ein Schiff dieser Mega-Containerschiffe-Klasse für eine Bergung nicht einfach auf der Elbe drehen. Auch stehen nicht einmal geeignete Bergungsschiffe oder auch Schwimmkräne zur Verfügung, die auf dem Fluss die Ladung löschen könnten.

Aus Sicht der Umweltschutzorganisationen gehören solche Containerriesen nicht auf die Elbe noch auf die Weser sondern in den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, dem einzigen deutschen Container-Tiefwasserhafen. An der 1,7 km langen Kaje könnten jährlich bis zu 2,7 Millionen 20-Fuß-Container (TEU) umgeschlagen werden, aber viele Reedereien steuern den Hafen nicht an.

Quelle: Ch.Eckardt, VEUS e.V.

Zunächst heißt es aber erst einmal „Daumen drücken“ für den nächsten Bergungsversuch der CSCL INDIAN OCEAN am kommenden Dienstag.

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